nicht müde werden sondern dem wunder leise wie einem vogel die hand hinhalten. (hilde domin)

Dienstag, 17. Februar 2015

sonntagsfreude

der erste caffè auf der zukünftigen terrasse im vorfrühlingssonnenschein

während einer renovierungspause.

Donnerstag, 12. Februar 2015

februarliebe

februar: zarttürkis, petrol, eiswasserblau. hellgrau und winterweiß. rauhrindenbraun.
 
im gegensatz zu vielen anderen menschen, die seit wochen auf den frühling warten, mag ich den februar sehr gerne. klar friere ich nicht gern, und grau und nass mag ich auch nicht. doch so ist der februar gar nicht! für mich ist er der kälteste monat, oft friert es bei uns erst ende januar/anfang februar so richtig. und das mag ich! nicht körperliches frieren, sondern klirrende kälte, frost, rauhreif und darüber blauen februarhimmel, gerne auch mit weißem schnee *hach*. ich finde das ein so sinnliches und wichtiges element auf dem weg durch die jahreszeiten. (vor ein paar jahren gabs hier wochenlangen dauerfrost, das war herrlich! ich war ganz oft mit den kindern draussen, an bach und fluss, um das eis zu erleben.) wenn es keinen frost gibt, fehlt mir was. und wenn mir kalt ist, muss ich mich ja nur warm genug anziehen ;-). nachts gibts eine wärmflasche (sowieso), dicke socken und eine extradecke obendrauf. und dann machen wir das fenster auf, auch bei -10°. natürlich geht das nur, weil wir den luxus einer heizung haben und morgens nur aus dem bett schlüpfen und am rädchen drehen müssen, um nicht mehr zu frieren. dessen bin ich mir sehr bewußt und kann die kälte deshalb nochmal mehr genießen.

seit gestern nun ist das licht anders, strahlender. ein ahnung von vorfrühling hat sich hineingeschlichen und macht den himmel porzellanen. ich bin hingerissen! und nun dauert es nicht mehr lang, bis der erste amselerich zu singen beginnt.

Sonntag, 8. Februar 2015

sonntagsfreuden: ein traum

im frühmorgendlichen schlaf:

ich komme auf eine terrasse, die nonna sitzt lächelnd in ihrem rollstuhl,
und ich nehme sie lange und liebevoll in den arm.

nach dem aufwachen bin ich erstmal traurig, bis mir auffällt,
daß ich mich da im traum von ihr verabschiedet habe.

meine sonntagsfreude.


Donnerstag, 5. Februar 2015

adieu

liebe liebe nonna. eigentlich bist du ja meine schwiegermutter, aber hier bei uns heißt du nur nonna (italienisch für oma), und so hat sich diese bezeichnung fast wie ein name in meine gedanken geschlichen.

seit ich dich kenne (und noch mindestens 15 jahre davor) warst du krank, unheilbar mit multipler sklerose. als ich das erste mal bei euch zu besuch kam, warst du noch mobil, im rollstuhl zwar, aber du bist rumgefahren, hast gekocht und gefegt und gemacht was halt ging. mein erstes kind, dein zweites enkelkind, konntest du noch auf dem schoß halten, bist mit ihr über die terrasse gefahren, hast ball gespielt, warst sogar mit uns am strand. im laufe der jahre wurdest du so schwach, daß du nicht mehr sitzen konntest, und so hast du die beiden jüngeren kinder nie auf dem arm halten können, sie lagen stattdessen neben dir im bett, in deinem arm. sie waren dir gegenüber leider immer zurückhaltend, weil du immerzu im bett lagst. auch wenn wir oft bei dir saßen, zum reden, zum erzählen von früher, zum kaffeetrinken oder auch mal zum fernsehen, so normal es eben ging. doch für sie blieb die situation immer befremdlich, denn wir konnten ja nur einmal im jahr die weite reise zu euch machen. schade und ein bißchen traurig fand ich das, aber du hattest dafür verständnis.

so viel hattest du zu erzählen. von deinem leben als kind auf dem land in sardinien, zu einer zeit, als es dort noch kaum autos gab, ihr 20 km zu fuß zu eurer nonna zu besuch gegangen seid. als die heutigen strassen noch einspurige feldwege waren. als noch alles von hand gemacht wurde, mit bäuerlichen holzgerätschaften und menschen- oder tierkraft. was du als kind mit deinem 5 schwestern alles erlebt hast, wie du als jugendliche nicht kochen lernen wolltest - und dann doch später viele köstlichkeiten für uns zaubertest. von deiner übersiedlung nach deutschland 1963, und wie unglaublich unfreundlich und garstig oft mit euch umgegangen wurde, obwohl ihr doch als 'gast'arbeiter hergebeten worden wart. ich bin ja froh, daß ihr gekommen seid und ausgehalten habt, und froh über den 'betriebsunfall' im ersten jahr eures hierseins, der 35 jahre später mein mann wurde ;-).

ich habe deinen erzählungen immer gern gelauscht, weil es dich mir näherbrachte und auch eure insel, eure kultur. alles kanntest du,  jede pflanze die ich dir beschrieb, weil ich den namen nicht wußte, jedes tier, tricks zum einmachen, wie die speziellen backwaren bei euch gemacht wurden. trotz aller beschwernisse in deinem leben hast du vor allem vom schönen und fröhlichen erzählt. und alles hast du uns auf deutsch erzählt, deiner drittsprache, die du auch nach eurer rückkehr auf eure insel immer weitergepflegt hast. das hat mich immer davon abgehalten, flüssig italienisch zu lernen!

du (und dein mann) und eure insel, ihr seid mir sehr ans herz gewachsen. jedes jahr, wenn wir von euch wegfuhren, mußte ich weinen, weil mir der abschied so schwer fiel. "bis nächstes", sagtest du immer, aus deiner sprache wörtlich ins deutsche übersetzend. das blieb mir immer im ohr, "bis nächstes"!

nun gibt es kein nächstes, zumindest nicht auf erden, und ich weine hier vor mich hin und vermisse dich, obwohl ich gleichzeitig so froh bin, daß du endlich erlöst bist.

woran du letztendlich gestorben bist, weiß ich garnicht, und es ist auch egal. denn ich bin von herzen froh, daß du der geräte(intensiv)medizin zuvorgekommen bist. da wo du lebtest ist es nämlich nicht erlaubt, geräte abzuschalten, wenn der betreffende mensch das will. also wärst du, wenn zb deine lungen oder die schluckmuskulatur noch schwächer geworden wären, an das entsprechende gerät angeschlossen und am leben gehalten worden, ob du wolltest oder nicht. so aber ging es wohl recht schnell, gestern an deinem 75. geburtstag warst du noch munter und heute morgen ging es auf einmal bergab. ich hoffe, sie haben keine hektik um dich herum gemacht, sondern dich ruhig gehen lassen. deinen mann haben sie angerufen (er wohnt in einem seniorenwohnhaus, du in einem pflegeheim), daß er kommen soll, aber darauf konntest du dann nicht mehr warten. es war eben zeit.

adieu, nonna, du liebe.
gute reise, wohin sie dich auch führen mag.
flieg mit den vögeln, zieh mit dem wind.
nun darfst du endlich frei sein.

Sonntag, 1. Februar 2015

sonntagsfreude: zusammen was schaffen

heute war ich mit den mädels zum tapetenabkratzen im haus (herr siebensachen hatte spätdienst).
und alle waren im einsatz, jede nach eigenem können (und da geht schon eine menge, auch die 7jährige ist eifrig und effektiv dabei!).
schön ist das, zusammen was zu schaffen!

Donnerstag, 29. Januar 2015

unverhoffte wunscherfüllung

wir wohnen nun seit fast drei jahren in dieser wohnung. schlecht ist sie nicht, schön geräumig mit zwei bädern (ein segen!) und viel licht. nachteilig sind der bodenbelag (laminat! aarrrhg!), die schlecht isolierten aussenwände und der preis (obwohl der nur für unseren geldbeutel hoch ist, an sich ist er ok). daß die vermieterin um die ecke wohnt und ab+zureinschneit um zu behaupten, wir hätten ja nicht geputzt oder so zeugs, das übersehen wir mal großzügig. die lage ist für uns großartig: der waldrand ist 200m entfertn, die kinder könne zu fuß in ihre beiden waldorfschulen gehen, auch läden für den täglichen bedarf sind zu fuß zu erreichen, sogar ein bioladen. vor allem aber fühlen wir uns hier zuhause.

trotzdem wanderten meine augen immer mal wieder durch die wohnungsannoncen, gaben suchwörter wie 'altes haus miete' in immobilienbörsen ein. schweiften die blicke beim spazierengehen so nach hier und da uns ließen mich manchmal seufzen. ach, ein garten oder balkon wäre schön. oder ein feuerofen. aber naja...
im dezember letzten jahres bemerkte ich dann eine wende in meinem denken und fühlen. ich wurde immer zufriedener, ließ die träume von einem neuen zuhause ziehen und ertappte mich sogar bei dem gedanken, "na, wenn die wohnung jetzt zum kauf stünde, die könnten wir uns richtig schön machen." ich freute mich, daß ich diese leise unzufriedenheit hatte loslassen können.

am sylvesterabend gossen wir wachs (statt blei), und sowohl herr siebensachen als auch sein holdes weib hielten danach etwas in den händen, was von allen sofort als hutzeliges häuschen gedeutet wurde. hä???? die große tochter - deren freundin gerade die trennung der eltern erlebt - meinte trocken: "oder ihr trennt euch, jeder ein zuhause."
ich stellte mein häuschen zusammen mit meinem wunschstern auf mein bettkästchen und schmunzelte leise in mich hinein.
am nächsten tag machte ich mit der jüngsten einen neujahrsspaziergang, traf am ende eine bekannte und schwatzte ein bißchen mit ihr. zum schluß meinte ich noch, "wenn bei euch mal ein haus frei wird, darfst du uns mal bescheid sagen." sie guckte und meinte, "da sind häuser frei! und sogar eins zur miete." zuhause googelte ich eine kontaktmailadresse und schrieb. nach eineinhalb wochen kam eine vielversprechende antwort, wir machten einen besichtigungstermin aus, und waren keine zwei meter im haus, da warn wir schon begeistert. der vermieter (der immobilienmensch einer kirchlichen organisation) war sehr nett und anscheinend auch mit uns zufrieden (es stellte sich sogar heraus, daß auch er drei töchter hat *schmunzel*). und vorgestern haben wir den vertrag unterschrieben. seitdem schwanke ich zwischen euphorie und überforderung, denn es muss eine menge gemacht werden bzw wir wollen eine menge machen. dafür haben wir aber drei monate zeit!

es ist ein zwanzigerjahrereihenmittelhäuschen 300m entfernt von hier, von außen leider potthässlich nicht so hübsch, doch innen mit potenzial. drei etagen, holztreppenhaus, vollunterkellert, gasheizung, terrasse und 8oqm garten. parkett im wohnzimmer, oben dielenböden. und das ganze für 180euro weniger als hier (100 weniger miete, 80 weniger nebenkosten). da wohnen kinder im viertel, und die strasse ist so miniklein, daß die kinder rausgehen und auf der strasse vorm haus spielen können. wir kriegen noch die alten bodenbeläge rausgerissen und die paneele unterm dach entfernt, hier und da eine steckdose zusätzlich, einen neuen gasanschluss in der küche, eine kellerwand entfeuchtet. das abschleifen der dielenböden werden wir - wenn sie noch in ordnung sind - machen lassen. ansonsten gibt es viele qm wände zu machen (tapete ab, gipsen, streichen) und die treppen zu streichen. und danach kisten zu packen... aber dann...!

oh, ich freue mich so unglaublich! was dort alles möglich sein wird in haus und garten! zwischendurch hab ich immer wieder so ein leises gefühl von ankommen und hoffe sehr, daß wir dort dann lange bleiben werden (oh doch, das werden wir tun. so einen glückstreffer werden wir nicht wieder loslassen). und ich geh auch davon aus, daß wir trotz klassischer wohnsituation dann nicht 'verspießern' werden ;-)


(ein bißchen erinnert mich das prozedere an den klassischen ablauf zb bei unerfülltem kinderwunsch: wenn du endlich losgelassen hast und mit nichts mehr rechnest, dann geht dein wunsch in erfüllung!)

Donnerstag, 22. Januar 2015

loslassen macht glücklich

die letzten zweieinhalb wochen sind wirklich die allerallerbesten in meinem leben seit sehr langer zeit. und das, obwohl hier der gewöhnliche trubel und noch was obendrauf läuft. mir geht es so gut, ich bin entspannt und glücklich trotz und geradeweil mit allem.

es begann, als ich mit einer lieben kollegin/freundin im café saß (was ja echt eine rarität ist, daß ich mal ausgehe...) und wir uns den aktuellen stand von familie+co berichteten. da erzählte ich auch von meinem aktuellen herkunftsfamilienchaos und was mir meine schwester so an vergangenheitsschatten (u.a. schläge, an die ich mich nicht erinnere) berichtete. meine kollegin/freundin kann das gut einordnen, weil sie auch aus einer alkoholgeschädigten familie stammt (und psychologin ist). und dann sagt sie da so einen satz, bei dem es mir im nachhinein wie einen vorhang vor den augen wegzieht: daß ich energetisch so schnell 'hochfahre' bei aufregung würd sie ja nicht wundern, das sei ein typisches muster der alarmbereitschaft aus kindertagen. zack.

den satz trug ich mit mir, wollte ihn nicht haben und spürte doch, wie richtig er war. und dann konnte ich ihn annehmen und sagen, ja, das stimmt - und alles war gut. es war, als ob eine klammer um mich herum abgesprungen wäre. und ich verstand einiges aus den letzten jahren ganz neu, sah meine welt mit anderen augen. wieviel von dem stress, der meiner meinung nach nicht von mir kam (weil ich doch gar keinen stress will!) eben doch von mir kam, einfach durch diese alarmbereitschaft, die sofort ansprang, wenn differenzen, streit etc aufkeimten.

seither kann ich so gut loslassen, zulassen was geschieht. ich krieg keinen stress mehr mit herrn siebensachen, komm nicht in streitlaune, kann einlenken, nachgeben, aushalten. ich hab keine ahnung, wieso das auf einmal geht, es funkioniert einfach. sobald ich merke, daß anspannung in mir aufsteigt, denk ich dran, daß ich keine alarmbereitschaft mehr brauche - und die spannung geht weg. wow! es ist unfassbar und ich bin total glücklich darüber.

in manchem moment fühlt es sich an, als würde ich vom glück geflutet (wenn es so mit gänsehaut im körper bis in den kopf hochsteigt und seufzen macht, vielleicht kennt ihr das gefühl). das hab ich soooo lange nicht gespürt, daß ich mich nun ganz besonders darüber freue und mir oft die tränen in die augen steigen. *hach*


... und dann passierte noch was anders unglaubliches, aber dazu gibts nen eigenen eintrag...