nicht müde werden sondern dem wunder leise wie einem vogel die hand hinhalten. (hilde domin)

Dienstag, 13. Juni 2017

wenn jedeR

samstag in der fußgängerzone, zwei frauen und zwei kinder, die frauen rauchen und unterhalten sich, die kinder sind miteinander. das jüngere, um die 2,  ruft mehrfach "ham!", bis das größere, um die 4, zu der einen frau geht und sagt, "mama, sie will ham." daraufhin zetert die offensichtliche mutter "ja wie du willst ham? wo soll ich den jetzt ham hernehmen? hör auf damit!" - ohne das kleine auf den arm oder wenigstens an der hand zu nehmen oder sonstwie ihr bedürfnis zu befriedigen (hunger, nähe...).
am traurigsten war mir, dass das kleine nichtmal geweint hat.

andere szene.
beim kollegen an der terrasse ist ein amselnest aus dem baum gefallen, alle küken bis auf eines sind tot. die vogeleltern nehmen weder nest noch kind zurück, also nimmt die kollegenfamilie (mit zwei kleinen jungs) den nestling in pflege, informiert sich, baut nestersatz im schuhkarton mit wärmflasche drunter. "die wohnen doch bei uns, da hab ich doch ne verantwortung", sagt er. seine jungs sammeln regenwürmer, die dem halbnackten vögelchen als pürree per einwegspritze stündlich verabreicht werden, ebenso wasser. von sonnenuntergang bis sonnenaufgang schläft das kleine, aber sobald am karton gerappelt wird, sperrt es den schnabel auf. und der kollege nimmt den vogelkarton mit zu uns zur arbeit, deponiert ihn in einer ruhigen gruppe, kommt stündlich zum füttern. heute mittag dann berichtet er, daß das kleine gestorben ist. "und ich hab echt ein bißchen geheult," sagt er. vogelpflegepapa, hat gefüttert und sich gekümmert. auf dem nun geschlossenen vogelkarton steht sogar ein mini-led-kerzlein (wir haben sowas dort für gelegenheiten, bei denen eine echte kerze definitiv zu gefährlich wäre).
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wenn jedeR doch nur ein bißchen verantwortung übernähme, sich kümmern würde, einfühlsam wäre, nicht nur auf sich selber sähe, wäre die welt dann nicht ein wenig heiler?

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