nicht müde werden sondern dem wunder leise wie einem vogel die hand hinhalten. (hilde domin)

Donnerstag, 27. Februar 2014

rückmeldung aushalten

gestern war ein sehr langer, anstrengender tag.
und mittendrin lagen drei stunden supervision bei der arbeit. teamsupervision.
einen teil dieser zeit verbachten wir mit der aufgabe, uns in 3-4er-grüppchen gegenseitig feedback, rückmeldung zu geben auf wohlwollende art, indem wir jeweils über eine der anwesenden personen redeten, als sei sie nicht dabei.

puh, das war schwer. nicht rückmeldung zu geben, das ging ganz gut.
ich fand es schwer auszuhalten, den anderen zuzuhören, während sie über mich sprachen. ich konnte sie garnicht ansehen, hab so vor mir runter geschaut.

ich hab u.a. zu hören bekommen, daß ich sehr gut organisiert sei und absolut verlässlich.
ich hab auch gehört, daß ich manchmal zu impulsiv sei und zu kämpferisch, wenn es um gerechtigkeit geht. daß ich aufbrause und damit erschrecke.

spannend fand ich, daß ich da nix verstecken kann, daß die anderen meine baustellen genau sehen, obwohl wir uns fast nur dienstlich kennen.

die "negative" rückmeldung aber läuft mir noch nach. das ist mir sooo unangenehm, und ich hab die befürchtung, daß nur noch dies gesehen wird - obwohl ich weiß, daß das nicht so ist. ich weiß auch, daß zwei meiner gegenüber sehr harmoniebedürftig sind und daher besonders empfindlich zb auf aufbrausen reagieren. und ich sträube mich auch dagegen, als frau immer lieb und sanft sein zu sollen. und ich steh auch dazu, daß ich impulsiv sein kann, das find ich garnicht schlecht. und ich will mich auch aufregen dürfen.

und trotzdem, brrrrrr, auszuhalten, wie die anderen mich sehen, über mich denken, das fällt mir schwer. ja, und ich schäm mich auch für diese schwächen. mag ein igelnest finden und mich hineinvergraben, bis alles vergessen ist.


(das wollt ich hier für mich festhalten.)


nachtrag, drei tage später:
mir geht das so nah, gerade weil es meine schwächen sind.
hätt es nicht hand und fuß, könnte ich es abschütteln und sagen, die spinnen ja.
mir gehts aber nicht schlecht damit. es war wirklich ein gutes erlebnis, diese supervision.

Kommentare:

  1. Mit all deine Stärken und schwächen gehört das alles zu dir und macht dich einzigartig .Gruß zu dir

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  2. Du Liebe, nun machst du es noch so öffentlich. Das zeigt, dass es dir zwar unangenehm ist, aber auch deine innere Stärke. Mir würde es ganz genau so gehen. Ich bin übrigens ähnlich veranlagt wie du.
    Nur durch unsere Schwächen sind wir (alle) liebenswert und wer das nicht so sehen kann oder möchte, sieht uns auch nicht im freundlichen Licht, auch wenn wir immer nur lieb und nett wären.
    Solche Harmoniebedürftigen kenne ich auch. Das sind auch die, die nicht mehr fragen, wie es einem geht, aus Angst man könnte was erzählen, "was sie nicht hören wollen." (Zitat!) Na ja, die haben es auf ihre Weise auch nicht leichter.
    Eigentlich finde ich das sehr gut, diese Supervision. Das sollte es überall geben. Wenn jeder sagen würde/dürfte/könnte, was er denkt, ohne Angst haben zu müssen vor diesem oder jenen, wären wir alle ein großes Stück ehrlicher zueinander und freier. Denn eigentlich spüren wir ja sowieso was los ist, tief im Herzen. Und dann würden wir uns womöglich alle besser "aushalten" können, ob laut, leise, wie auch immer. Vielleicht wäre mehr Empathie einfach so möglich.
    Ist es nicht eine Stärke, wenn man sich traut auch aufbrausend zu sein? Da muss ich an das Zitat von Nelson Mandela denken, wo es um das Leuchten des inneren Lichtes geht. Nur wenn wir uns trauen unser inneres Licht zu zeigen, dann kann sich auch der andere sicher fühlen, sein inneres Licht zu zeigen. Egal was man anwendet, könnte das nicht für jede Eigenschaft/Zustand zutreffen? Ich habe das noch nicht zu Ende gedacht. Doch denke ich, vieles erscheint doch nur, weil wir es verstecken wollen (mussten), uns nicht trauen zuzugeben, dass auch das, nämlich wirklich jeder Gemütszustand zu uns gehört. Weil wir es oft nicht gelernt haben, so sein zu dürfen wie wir sind, besonders als Kind.
    Nachdenkliche Grüße, Roswitha

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  3. liebe roswitha, nun bin ich sprachlos.
    es tut mir sehr gut, was du schreibst und daß du schreibst.
    und besonders derletzte satz berührt mich grad sehr, denn ja, als kind hab ich nicht immer sein dürfen, wie ich war.
    vielen herzlichen dank!

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