nicht müde werden sondern dem wunder leise wie einem vogel die hand hinhalten. (hilde domin)

Mittwoch, 19. März 2014

misttag - ein merkzettel

gestern war ein sehr anstrengender tag.
und ich hab ihn noch richtig blöd gemacht.

ich war müde und hormonell gebeutelt. bei der arbeit war es sehr anstrengend - ich war allein für eine gruppe von drei frauen da. klingt nach wenig. wenn aber eine davon ständig an sich und dir herumzupft, imaginäre oder echte flusen pickend, und eine zweite dich mit lauter stimme permanent dinge fragt, die sie schon weiß und die du auch schon xmal beantwortet hast und beide nicht zufriedenzustellen sind - dann ist das nach 6 stunden reichlich genug. (die dritte hatte dafür vormittags richtig freude daran, mit mir stoffdruck zu machen und zu nähen. an der maschine!).

bis dahin hab ich prima funktioniert, war geduldig und belastbar. als ich aber nachhause kam, wurde ich wie üblich direkt überfallen mit "mama kannst du mal meine schuhe kleben" und hier und da... noch bevor ich einen caffè im tässchen hatte, wollte die mittlere, daß ich mit ihr hausaufgaben mache. kurz vor 4. ich war sauer auf den mann, daß er das nicht in der mittagspause geregelt hatte, ist er doch grad hausmann (mit sehnenverletzung am finger) und daher mM während meiner abwesenheit für alles zuständig. mir kommt dann schnell ein "du machst es dir auch schön bequem" in den kopf.  grrr. das kind war auch völlig rechen-unlustig und nölte rum, und so dauerte es nicht lange, bis ich - mit ankündigung - wütend wurde, rumschrie und das arbeitsblatt zerknüllte - woraufhin sie in tränen ausbrach. nach fünf minuten war das blatt wieder glattgebügelt und das kind getröstet und dann auch kooperativ.

zwischendurch dachte ich kurz, vielleicht solltest du eine runde laufen gehen, um dich abzureagieren, aber ich war zu schlapp und zu faul, wollte einfach nur meine ruhe. ja hätt ich mal meinen schweinehund überwunden! denn nach noch dem ein oder anderen debakel und hin+her war mir dann beim abendessen das gehampel und geschreie so zuviel, daß ich einfach aufgestanden und gegangen bin, um nicht wieder zu wütern. so, und für den rest des abends hat dann niemand mehr was mit mir zu tun haben wollen. (ich am allerwenigsten.) gradmal gutenachtsagen durfte ich, aber nicht mehr.

warum ich das hier aufschreibe: ich will mir merken, daß es tatsächlich gut wäre, mich in so situationen zu überwinden und wirklich rauszugehen und zu laufen. denn danach bin ich normalerweise so schön wohlig müde, daß bestimmt keine kraft mehr fürs rumwütern übrig ist.
außerdem gilt es, mein nachhause-kommen nach der arbeit zu überdenken: wenn die familie es wirklich nicht schafft, mich mal eben 5 minuten in ruhe zu lassen (ich versuche das seit 4 jahren durchzusetzen), dann sollte ich mir die auszeit vielleicht vorher und außerhalb der wohnung nehmen. schade eigentlich, würd ich lieber in meinem zuhause machen. im auto sitzen zu bleiben oder gar vor der wohnungstür im treppenhaus ist so unromantisch - aber vielleicht hilft es!

Kommentare:

  1. Eine Dozentin von mir hat sich immer, bevor sie nach der Arbeit nach hause ging, eine halbe Stunde Auszeit gegönnt. Also spazieren gehen, einen Cafe trinken gehen, oder ähnlich Schönes...habe ich mir bis heute gemerkt, fand ich damals schon ganz toll. Das die Kinder einem in Ruhe lassen, ist man erst mal zu Hause, ist unmöglich- liegt am Lebenssinn. Ist genauso ja auch beim telefonieren, klappt als Mama auch nie in Ruhe...
    Andererseits dürfen Kinder ruhig auch mal sehen, dass die Mama grandig ist, weil sie erschöpft ist, macht uns ungemein menschlicher- also hab bloss kein schlechtes Gewissen! Geht uns allen mal so!

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  2. hach danke.

    ich denke auch, daß es wichtig ist, authentisch zu sein. und daß die kinder - so klein sind sie ja nicht mehr - darüber auch lernen können, rücksicht zu nehmen.
    andererseits hätt ich uns gern mein wütern erspart. ich habs ja kommen fühlen, hab aber nicht mehr die kurve gekriegt, abzubiegen. DARAN will ich arbeiten.

    und ich schmunzel, daß auch du nicht in ruhe telefonieren kannst - ich sag schon, unser telefon hat drinnen einen kindermagneten: kaum ist es in betrieb, kommen alle an. :-))

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  3. Ja, ja, ja. So ging es mir heute. Nach acht Stunden Unterricht, zum Schluss hatte noch jemand die Klos unter Wasser gesetzt und der Hausmeister war nicht aufzutreiben - ich kam nach Hause und dachte, ich schreie gleich. Die üblichen Fragen: Kannst du mir das diktieren? Kannst du mit mir Englisch üben? Kann ich XY einladen? Was gibt es zum Abendessen? - heute war ich eine halbe Stunde Laufen, und es tat so gut. Aber ich muss dabei parallel mein schlechtes Gewissen beruhigen, das mir erzählen möchte, wie fürchterlich egoistisch das nun ist ... (blöde Mütterkiste das ...)

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  4. Oh weia. Danke für diesen ehrlichen Post. Ich kann dich nur zu gut verstehen. ich habe auch oft ganz schlechte Laune (wegen Schlafmangel) und bin dann seeeehr authentisch und verschaffe mir damit meine Ruhephasen. Anders geht es nicht. Schade, dass du dir deine "5 Minuten" nach der Arbeit nun selbst organisieren musst. Vermutlich freuen sich alle so sehr, dich nachmittags wieder zu sehen, dass ganz viel Anspannung abfällt und auf Dich "geworfen" wird.
    Ich wünsche dir viel Erfolg, deine Erholungsnische zu finden.

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  5. ach ihr... *gerührt bin*
    kommt, laßt uns auf einer bank in der spätnachmittagssonne sitzen. ich bring limo und (von den beiden 'kleinen') frisch gebackene kekse mit.
    ich komm grad vom laufen, und so eine kleine zusatz-pause vor der abendlichen zielgeraden wär doch jetzt extraklasse!
    alles liebe euch allen!

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  6. Auch wenn hier schon viel gesagt ist, möchte ich noch meinen Senf dazu geben. Ich kenne das natürlich auch, dieses Überfallkommando. Dann braucht auch nur irgendwas nicht so sein, wie es sein sollte... oh, oh. Und das ist ja fast immer so... Ich muss mir selbst sagen: Wer um Fünf auf steht und um ca. Halb-Fünf wieder zu Hause ist, 90 km am Tag mit dem Auto gefahren, muss nicht mehr fit sein. (Zum Glück nur zwei Tage.) Manchmal bleibe ich auch kurz im Auto sitzen. Manchmal schaffe ich mir ein halbes Stündchen stricken zu stiebitzen. Oder einfach mal setzen ohne was zu tun. Einfach erstmal nur zuhören oder in der Sonne sitzen. Jetzt bald wieder ein bisschen im Garten werkeln. Seine wohltuenden Nischen muss jede selbst finden. Ich kann gut verstehen, dass du sie gerne zu Hause hättest. Ich sag´ dann gerne zu den Kindern, ich mach jetzt erstmal eine Pause mit Zeitangabe. Das klappt meistens ganz gut. Der Rest ist Mütter-menschlich!
    Mit genommenes Wort: "hormonell gebeutelt", danke.

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  7. das anstrengendste ist für mich die ankommens-situation: ich bin noch kaum zur tür rein, hab die tasche noch über der schulter und die jacke an, da kommen sie schon angesaust, die liebchen. nach einer viertelstunde hat sich meist alles gelegt, da kann ich dann in ruhe sitzen oder stricken oder wäscheaufhängen.

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