nicht müde werden sondern dem wunder leise wie einem vogel die hand hinhalten. (hilde domin)

Dienstag, 22. November 2011

wie es ist - arbeit und leben

ich schrieb ja schon mal von den schwierigkeiten bei der arbeit und von meiner anstrengung mit der halben stelle in kombination mit dem kleinen familienunternehmen.

das erste kann ich manchmal ausblenden. besonders, wenn ich in anderen arbeitsgruppen vertrete und dort mit offenen armen empfangen werde und kooperativ arbeiten kann. (nein, ich kann nicht dauerhaft in eine andere gruppe wechseln. die beste idee, doch es sträuben sich alle dagegen.)

das zweite ist nicht auszublenden. seit monaten beende ich jede arbeitswoche erschöpfter und muß dann doch noch öffentlich und zu fuß nach hause und den nachmittag mit meiner wilden horde ohne den spätdienstenden herrn siebensachen wuppen. neben der arbeit an sich ist es die kombination unserer dienstzeiten, nur einem auto und meinem anspruch an mich in beiden bereichen, die mich so überanstrengt. (ja, und ich bekomme auch oft zuwenig schlaf.)

nun habe ich schon vor über einem halben jahr begonnen, vorschläge zur veränderung meiner arbeitszeiten zu machen, damit ich früher zuhause sein kann und die kinder nicht so oft 'in der luft hängen'. (sie selber empfinden das garnicht so, sie beschäftigen sich meist friedlich, räubern das süßigkeitenfach und sind ganz stolz, ohne uns sein zu können. - "aber wir waren doch nicht allein, wir waren zu viert!" die ohne-eltern-zeiten machen sich aber an den hausaufgaben bemerkbar - zunehmend eigenwillig, unvollständig, verweigend. nicht zukunftsweisend, schon garnicht für eine erstklässlerin, die in alles erst hineinwachsen muß.)

letzten donnerstag bekam ich bei der arbeit dann das lang- und unerwartete angebot, einen dienst-tag tauschen zu können und damit einen block in meiner woche zu haben (mi/do/fr), wovon ich mir immerhin etwas erleichterung erhoffte. freudig und erleichtert kam ich mit der nachricht nach hause, berichtete und verabschiedete herrn s. in seinen spätdienst. als er um 23.00 wiederkam, hielt er mir schweigend einen zettel vor: auch er hatte just an diesem tag etwas langerwartetes bekommen, nämlich einen rahmendienstplan (einen dienstplan, der sich monat für monat, in diesem fall sogar zweiwöchentlich wiederholt. das familienleben planbar, die arbeit rhythmisch macht.) nur leider mit denselben arbeitstagen wie mein block (+ jedes zweite wochenende). das ginge nun garnicht, beide nur an denselben tagen zu arbeiten. 3mal die woche keiner zuhause in der mittagszeit, undenkbar. ich hätte heulen können, denn ich hatte mir von meiner änderung so viel versprochen. völlig planlos ging ich viel zu spät ins bett, und dann begann das gedankenkarussel zu rattern. ich lag wach... wach... wach..., bekam vor ungewissheit und überforderung herzklopfen, das sich schließlich zum herzrasen steigerte und mir ein paar momente lang gar sterbensangst machte. mit  großer mühe und riesendisziplin schaffte ich es, die gedanken in andere richtungen zu lenken und von diesem trip runterzukommen. ich weinte vor erschöpfung und hoffnungslosigkeit, die zeiger meines weckers näherten sich immer mehr der 2, doch ich konnte nicht einschlafen, obwohl ich so brav mit geschlossenen augen im dunklen lag und meine gedanken zurrte. mehrmals wankte ich ins bad, irgendwann kam ich auf den gedanken, coffea-globuli zu nehmen. dann irgendwann schlief ich doch, für nichtmal 4 stunden. der nächste tag war wieder ein freitag , doch immerhin einer, an dem ich das auto haben konnte.

der schrecken dieser nacht sitzt mir seither in den knochen. niemals hatte ich solche angst. sie macht mir die notwendigkeit klar, daß etwas anders werden muß. MUSS.

dann hatten wir ein familienwochenende, das sich ungewöhnlich harmonisch gestaltete und an dem wir hier und da über diese situation sprechen konnten. herr s. meint zwar, das geht schon (er ist selber so groß geworden, vater bei der arbeit, mutter zwischen arbeit und kindern hin+herspringend und sich kaputtmachend). doch ich habe endlich ganz klar sagen können, daß ich das nicht kann, daß es wirklich meine kräfte übersteigt.  daß es auch für die kinder nicht gut ist, bei aller selbständigkeitsforderung zuwenig halt gibt und es kein wunder ist, daß sie manchmal so... ausrasten (sagichmalso). und daß wir auch einfach oft zu müde und nicht entspannt genug sind, um so geduldig mit ihnen zu sein, wie es ihnen zusteht. und daß die wohnung an allen ecken und enden vernachlässigt ist. und die sozialen kontakte auf ein minimum geschrumpft sind. 
ich kann und will nicht weiter darüber hinweggehen.

seit langem haben wir uns mal nicht an solchen themen gezankt, sondern uns einfach nur ausgetauscht, überlegt wie was gehen könnte. klar ist, was nicht geht: anderer dienstplan (liegt nicht in seiner entscheidung), zweites auto,  kinder dreimal mittags allein.
heute habe ich bei der arbeit einen weiteren vorschlag gemacht, wie ich bei gleichbleibender stundenzahl kinderkompatibler arbeiten könnte (verschiebung nach vorne am donnerstag). das stieß aber nicht auf wohlwollende ohren. und wenn ich da morgen nichts weiter höre, werde ich nächste woche eine stundenreduzierung beantragen, mit der ich dann nur noch zwei wochentage + zweiwöchentlich eine teamsitzung arbeiten werde. 16 wochenstunden sind auch eine menge. (das trag ich schon lange mit mir, schob es aber immer vor mir her mit dem gedanken "ach, das geht doch. stell dich doch nicht so an...")

so. punkt. aus.
mich gibts eben nur zu meinen bedingungen.
und die beinhalten vor allem meine kinder, die ich gut ins leben begleiten möchte  und nicht nur so reinschubsen. diese verantwortung hab ich übernommen, und die ist mir wichtig. 

und nun zünd ich mir im titelbild ein lichtlein an (viel zu groß, aber ich weiß es nicht zu verkleinern) und geh schlafen.

Kommentare:

  1. Du Liebe,
    während ich hier lese, drudelt die Bestätigung ein, dass du doch nicht sofort zu Bett gegangen bist. :-)
    Ach du, ihr tragt eureFamilie so mutig und stark. Und wenn es über die Kraft geht, dann schmerzt es tief. Ich finde es eindrücklich, wie du deine Nacht schilderst. Ich frage mich manchmal, was in solchen Nächten wohl alles geboren wird, von dem wir noch keine Ahnung haben können.
    Jedenfalls tönt dein "ich bin nur zu meinen Bedingungen zu haben" kraftvoll, diese Kraft wird deine Familie spüren und leben.
    Sei herzlich gegrüsst
    Gabriela

    PS: Auch Kinder, die nicht alleine sind, Zicken sich, machen Hausaufgaben schluderig... Nimm nicht alles auf dich, bitte.

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  2. Ich bewundere deinen Mut,du hast eine Entscheidung getroffen und wirst deine Situation verändern. Eine solche Nacht hilft manchmal den Ruck in die richtige Richtung zu geben und ich wünsche dir,dass du mit viel Kraft deine Interessen vertreten kannst....für dich und deine Familie.
    Eine Lösung zu finden fühlt sich manchmal sehr schwierig an und die Last auf den Schultern schein einem zu erdrücken...
    Ich drück dir die Daumen für einen positiven Entscheid Heute...
    Liebe Grüsse Pia

    PS: Das Problem mit dem Titelbild hab ich auch..;-)

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  3. Ja. Hier ist das auch ähnlich. Da gibt es Wünsche nach Dienstplanänderungen, und kaum werden sie nach Ewigkeiten Realität passt es so gar nicht mehr zum Rest des "Familienplans" :(
    Gut ist, wenn man gemeinsam reden und diskutieren kann. Abwägen. Dann geht vieles. Und es fällt leichter, klar zu sehen. Ich find das so schön, wie du schreibst, dass du deine Kinder ins Leben begleiten willst und nicht sie "schubsen". Das ist auch mein Gedanke. Wie gut du ihn ihn Worte gefasst hast!
    Ich wünsch dir alles, alles Gute und dass du den für dich besten Weg findest. Alles Liebe. marai

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  4. du so sehr liebe,

    ich -
    vermag fast nichts zu sagen. außer einem satz, den eine freundin von mir, in der kulturbranche als öffentlichkeitsarbeiterin tätig ('da und da sind Sie doch da, frau k.?') einmal sagte: dafür wird man nicht geliebt.
    der ist mir so haften geblieben.

    dafür wird man nicht geliebt.

    wie oft schwebe ich in unguten situationen, nur aus unbehagen darüber, nicht mit allen gut sein zu können, wenn ich nun einmal 'nein' sage, oder 'so nicht'. darüber vergesse ich, gut zu meinen kindern zu sein, gut zu dem einen zu sein, gut zu mir zu sein. nach außen hin hab' ich ja eine feine maskierung: ich will doch freundlich, höflich, hilfsbereit, spontan, kreativ sein.

    in momenten, wo mir bewusst wird, dass es nicht um die anderen, sondern um unseren kleinen kosmos geht, fühle ich mich unendlich klein, kein bisschen weise und frage mich bestürzt, wie es hat kommen können, dass ich vier kinder ins leben begleiten darf, wo ich doch so unreif bin, so unselbständig.

    dafür wird man nicht geliebt.

    (das steht uns nun auch bevor, weil sich ein tal weiter lichtpunkte auftun. alle, die sich nun hier 'bemühen', werden vor den kopf gestoßen sein. doch muss ich da durch: um der kinder willen, um u n s e r leben willen.)

    es kostet so viel kraft!

    doch beschenkt es uns auch so sehr, nicht?

    du so sehr liebe,

    sei weiterhin eine so mutige! für mich bist du das schon immer, seit den ersten zeilen, die ich von dir las, und erst recht, seit du einfach und ganz kraftvoll ins auto gestiegen bist, um unsere freundschaft auf die erde zu holen. ich danke dir so sehr dafür.

    s.

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  5. Es ist wunderbar, wie aus tiefer Angst großer Mut geboren wird!
    LG, katobia.

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  6. ganz schlicht: danke.
    schreib ich sehr gerührt

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